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> Solo, 2002, Seealpen, zum vierten.....
Michael 55
Beitrag 27.01.2010 - 13:44
Beitrag #31





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+++++Persönliche kleine Randbemerkung+++++Persönliche kleine Randbemerkung+++++Persönliche kleine Randbemerkung++++

Nun werde ich mal wieder: Die Lust zu schreiben, ist wieder da.
Danke für Eure moralische Unterstützung - Ihr vier Stammleser..... rolleyes.gif
Nein, dass war ein Scherz! Über 750 Anfragen ist wirklich ein Hammer!
Danke, Danke und noch einmal: Danke!!! laugh.gif

Michael wink.gif

Ende der Persönlichen kleinen Randbemerkung
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Michael 55
Beitrag 27.01.2010 - 15:48
Beitrag #32





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Ort: Menton, Frankreich, sechs Kilometer von der italienischen Grenze entfernt.
Cote d' Azur. Basis: Campingplatz über Menton.

"Cote d' Azur". Das ist da, wo der Reichtum Zuhause ist. Wo er offen zur Schau getragen wird.
Dort, wo die Ansammlung von Reichtum dazu geführt hat, dass die Reichen unter sich bleiben können.
Auch was wert: Unverkrampfter habe ich das Ausleben und zur Schau stellen von Reichtum noch nie gesehen.
In Hamburg nicht und auch in Davos nicht. Und das will ja schon was heißen.....
Von Menton ist es einen Katzensprung nach Monte-Carlo, Monaco, Nice und Cannes.
Hinter diesen Städtenamen steht eine märchenhafte Welt, völlig abgekoppelt von den Vorstädten Marseilles
mit ihren Wohnmaschinen voller Einwanderer.
Genug davon! Ich will ja nicht hier herumsozialisieren und moralisieren. Die Welt ist wie sie ist.
Das ist ja schließlich ein Reisebericht!
Trotzdem komme ich nich umhin, von dem Gefühl zu berichten, dass sich bei mir wie schleichendes Gift einstellte,
als "Armer" gesehen und erkannt zu werden. Der sich das zweite Bier verkneift, weil er nicht noch einmal 6.- Euro
für 0,33 Liter ausgeben will und kann. Der aus der Speisekarte sich das Billigste heraussucht, dass so teuer ist
wie ein fürstliches Mahl in einem mainzer Restaurant. Dessen Trinkgeld belächelt wird.
Wir vier Piepel waren als deutsche "Hungerleider" schon erkennbar, waren aber doch sehr souverän im Umgang damit.
Wir lachten viel, was ich als Ausdruck großer Fröhlichkeit und Ausgelassenheit werte.
Richard war Berufsoldat im Range eines Hauptfeldwebels.
Christian war und ist wohl noch, Polizist.
Leider habe ich den Namen des Sohnes von Richard vergessen, eines lieben, ziemlich stillen Jungen, der noch die
Sommerferien genoß, bevor es wieder in die Schule ging.

Nach einem kompletten Badetag mit Sonnenöl inclusive bratens in der Sonne, juckte uns dann doch wieder der Hintern,
mal ohne Gepäck mit den Krädern das Hinterland abzuklappern.
Am Abend vor der Tour erzählte uns Richard leidenschaftlich ergriffen und ungeheuer kundig, von der Mutter aller Rallys:
Der Rally Monte Carlo. Von der "Nacht der Langen Messer". Vom Col de Turini, den es in Schnee und Eis zu bezwingen gilt.
Von Walter Röhrl, der das Kunststück vollbrachte, diese Rally viermal zu gewinnen - und das mit vier verschiedenen Autos:
1980 mit Fiat; 82 mit Opel; 83 mit Lancia - und 1984 mit Audi.
"Col de Turini!" Klar müssen wir da hin!
Trotz dieser klaren Vorgabe kam es am nächsten Tag ganz anders: Mit noch zwei anderen Kradlern vom Campingplatz
brausten dann fünf Motorräder los.
Raus aus Menton, dem Gewusel, führt gleich nach der Autobahnauffahrt eine grandiose Strecke nach Sospel.
Wir sind recht flott unterwegs, auch Christian, der seine Alpenlektion gelernt hat.
Es wird gequirlt ohne Plan: Irgendwo kommen wir schon raus....
Es ist wirklich ein Vergnügen, "da unten" auf den Nebensträßchen herum zu kurven: Nie gehen einem die Pisten aus!
Und die Einheimischen? Die scheinen Alle auf "Hornet" herumzubrausen.
Nach Stunden der Freude kehren wir schließlich zu unseren Zelten hoch über Menton zurück.

Der Campingplatz verfügt über ein vorzügliches Restaurant - mit zivilen Preisen. Richard wurde beim ersten Betreten
dieses, mit lautem Hallo begrüßt. Ich glaube das war sein fünfter Aufenthalt, es könnten auch ein paar mehr gewesen sein.
In der Ecke stand eine Glotze, die, meistens wenig beachtet, auf einmal im Mittelpunkt stand:
In den Nachrichten wurden Bilder aus dem Laguedoc gezeigt, in denen Autos in braune Fluten versanken, Brücken weggerissen,
ganze Dörfer verwüstet wurden. Von etlichen Toten war die Rede.
Diese Bilder standen im völligen Kontrast zu der Situation an der Cote: Blauer Himmel, von dem die Sonne brennt und sanfter Wind
aus Meeresrichtung.
Am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege für einen Tag: Christian und Richard wollten nach Monte-Carlo und Monaco
um den Luxus dieser Orte zu genießen und meine Wenigkeit zog es wieder "hoch", nach Sospel, dem Turini, nach St. Martin-Vesubie
und - na Ihr werdet es schon erfahren.
Ohne Gepäck ist schon was Anderes! Man ist viel zu schnell unterwegs...
Auf dem Col de Castillon, der Strecke nach Sospel, kann man sich auf eine "weiße" Nebenstrecke verkrümeln, die D2566.
Sehr empfehlenswert! Durch Sospel zum Col de Turini: Vierundzwanzig Kilometer Hochgenuß!
Da fehlen selbst mir die Worte! Da MÜSSEN Sie hin, verehrte Leser!
Auf dem Paß treffe ich zum Kaffee einen jungen Mann, der mit seiner KTM Duke unterwegs ist.
Er war heute schon das dritte Mal oben. "Turinifahren" nannte er das....
Sechzehn Kilometer später stoße ich auf die Straße im Vesubietal. Rechts, nach Roquebilliere. Kurz verfahren, kehrt - ins Kaff.
Da stehen wir nun an der mittelalterlichen Kirche und ich richte meinen Blick gen Himmel.
Grau sind die schnell ziehenden Wolken, Donner ertönt und, Ihr ahnt es sicher, leise fallen die ersten Tropfen.
Weiter pötteln wir, bis eine Dame auf der engen Straße erscheint: Die kann ich nach dem Weg zum Col d'Andrion fragen.
Ich war schon richtig, dem Michelin sei Dank! Eine wunderbare, durch völlige Einsamkeit führende Naturstraße über
40 Kilometer durch die herrliche Landschaft der Seealpen. Diese Route zu wählen, war ein Volltreffer.
Wenn nur der heftig prasselnde Regen nicht wäre.....
Sepentine um Serpentine haben wir schon genommen um die Paßhöhe zu gewinnen, da stellt sich ein doch unangenehmes
Gefühl ein.
Hosen haben eine Stelle, die ich mal das Kreuz nenne. An diesem Kreuz treffen die beiden Innennähte der Hosenbeine auf
die Nähte zum Reißverschluss der Hosenvorderseite und der Arschnaht zur Hosenhinterseite.
Ein echter Knotenpunkt, dass müsst Ihr zugeben - nicht?

Genau an diesem Knotenpunkt, die Männlichkeit befindet sich in unmittelbarer Nähe, wurde es auf einmal kalt.
Sehr kalt, schließlich befinden wir uns auf gut 1600 Meter. Warum muß die Hose jetzt absaufen?
Reicht es nicht, dass ich mit dem Jethelm unterwegs bin? Mein Kinn, die Wangenknochen und das Nasenbein sind schon
schockgefroren.

An der wunderbaren Strecke ändert das nichts. Ich beschließe meine kalten, nassen Ei.. zu ingnorieren.
Die Sonne bricht dramatisch durch die Wolken, ihre Strahlen fallen auf die nassen Wälder.
Mein Photoauge wächst. Gerade will ich anhalten, da kommt mir ein PKW entgegen, am Steuer eine junge Frau.
Ich halte an, greife mir die Kamera, laufe die Straße entlang und erspähe die kleine Stadt La-Tour, die wie ein Krähennest
auf einem Hügel gebaut ist. In den Graben, den Helm habe ich oben an den Straßenrand gelegt, Photo.
Gerade will ich zufrieden wieder aus den Graben klettern, da höre ich das Bremsen eines Wagens im Schotter.
Völlig aufgelöst fragt mich die junge Dame von eben, ob mir was passiert sei.
Sie dachte wohl, ich hätte mein Kuhchen die Böschung hinunter expidiert. Wild fuchtelnd, erkläre ich ihr meine
Unversehrtheit, zeige ihr die Kamera und deute auf La-Tour. Sichtbar kehrt bei ihr Erleichterung ein.
Fast fühle ich mich schuldig. Ich bedanke mich bei ihr audrücklich, sie fährt langsam davon.

Es ist schon merkwürdig: Sobald ich im Hinterland bin, fühle ich mich unendlich wohl. Ich brauche den Trubel nicht....
Wieder im Tal der Vesubie angelangt, mache ich mich auf den Rückweg nach Menton.
War das ein wunderbares Erlebnis, diese Reise an diesem Tag.
So fahren die Kuh und ihr Reiter wieder der Sonne entgegen, Richard will grillen - und ich nicht
zu spät kommen.

Wie es weiter geht?
Das, meine Guten, erfahrt Ihr später....

Euer Michael wink.gif

Der Beitrag wurde von Michael 55 bearbeitet: 30.01.2010 - 18:26
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ryna
Beitrag 27.01.2010 - 17:35
Beitrag #33


Carl F.
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schön, dass es endlich weiter geht. smile.gif

war 2002 die auffahrt zum col d'andrion geteert?


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Michael 55
Beitrag 27.01.2010 - 17:49
Beitrag #34





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Nein! smile.gif
Naturstraße zwischen Ortsausfahrt Roquebilliere und einem Stück vor La-Tour.
Feiner Schotter, wenige Steine, die Serpentinen leicht ausgewaschen. Für eine Straßenmaschine kein Problem.
So 2002....

Michael wink.gif
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ryna
Beitrag 27.01.2010 - 18:10
Beitrag #35


Carl F.
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dann ist ja gut. ich habe schon gegrübelt, ob diese verbindung früher wohl komfortionöser ausgebaut war. laugh.gif
aber inwischen soll der zustand übler sein.

Der Beitrag wurde von ryna bearbeitet: 27.01.2010 - 18:11


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Duc-Wutz
Beitrag 29.01.2010 - 16:34
Beitrag #36


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Michael,

vielen Dank für diese lebhaften Berichte, es ist mir ein Vergnügen, sie zu lesen!

Weiter so....


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Michael 55
Beitrag 30.01.2010 - 21:14
Beitrag #37





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++++Kleine Randnotiz+++++Kleine Randnotiz++++++Kleine Randnotiz++++++Kleine Randnotiz+++++Kleine Randnotiz+++++

=Zur Ehrenrettung=
MENTON, die östlichste Stadt der Cote d' Azur, hat mit 316 wolkenlosen Tagen im Jahr den Ruf die wärmste und sonnigste Stadt
der Küste zu sein. Zudem gilt sie als die Stadt, in der der Aufenthalt am kostengünstigsten sein soll: So wird man zum "Geheimtipp".
Menton verfügt über eine sehenswerte Altstadt, einer grandiosen Uferpromenade mit hervorragenden Bademöglichkeiten.
Wenn also "Cote d' Azur", so empfiehlt der Autor Menton!
Die Stadt hat übrigens ca. 30 000 Einwohner.

Ende der kleinen Randnotiz

Ob Menton oder ein anderer Ort der Cote d' Azur, diese Lokalitäten zehren an der Reisekasse. Eine sich rasch leerende Reisekasse
zwang mich, der sich dem Müßiggang unter der strahlenden Sonne hingegeben hatte, mir doch ein paar Gedanken über den weiteren
Verlauf dieser Odysee zu machen. Irgend einmal müssen wir nach Itaka, sprich Mainz zurück.
Das musste ich mir klar machen, denn ich war auf dem besten Wege zu verwildern.
So beschloss ich, dass wir uns wieder auf den Weg machen sollten. Morgen....
Dieser Abend sollte unser letzter sein, so saßen wir mit anderen Motorradfahrern noch einmal vor den Zelten, den Roten genießend
und in Gespräche vertieft. Zwei Kradler wollten auch am nächsten Tag los. Sie wählten die N202, die schnurstracks nach Westen
führt, um so über den Col d' Allos in das Tal der Ubaye zu gelangen. Ferner am Lac de Serre-Poncon vorbei nach Briancon.
Was für eine langweilige Route! Da fahren wir ganz anders.......

Die Sonne strahlte, als ich das Zelt abbaute. Nach dem Bezahlen duschte ich noch einmal bevor ich die bepackte BMW
bestieg. Meine drei Gefährten standen um uns herum und wünschten alles Gute, als wir den Campingplatz verließen.
Ich habe sie nie wieder gesehen. Ich hoffe ihnen geht es gut.....
Als wäre es selbstverständlich, kurvten wir die Anhöhe hinunter, fädelten uns in den Verkehr ein, um Menton in Richtung Sospel
zu verlassen. Schnell nahm uns das Kurvenlabyrinth der Seealpen auf.
Dieses mal bogen wir in Sospel nicht links, Richtung Turini ab, sondern nach rechts, zum Col de Brouis.
Es sind nur 21 Kilometer bis die Straße bei Breil in die Gorges de Saorge mündet, aber ausgeprochen schöne und einsame Kilometer.
Hier ist schon mehr Verkehr, aber immer noch sehr verträglich. Die Bezeichnungen der "Gorges" wechseln und die Orte die wir in
diesem engen Tal passieren, werden immer älter. Es handelt sich ausschließlich um gewachsene alte Dörfer, die wie Relikte aus einer
vergangenen Zeit zu stammen scheinen. Auffällig ist, dass in ihnen dutzende Enduros am Straßenrand herumstehen.
XT, DR, XL und natürlich KTM. Ob in Saorge, St.Dalmas oder Tende. Überall Enduros.
Dem aufmerksamen Leser, um die handelt es sich im trefflichen Forum Diva-di-Bologna, wird nicht entgangen sein, dass wir uns
im Tal unterhalb des Gebirgskammes befinden, auf dem die Ligurische Grenzkammstraße verläuft.
Parallel zur Straße Ventimiglia - Breil -Saorge - Tende führt diese Strecke über verwegene Pfade vom alten Tendepaß hinunter
bis ans Meer. Und das über Pisten in atemberaubender Landschaft. Nicht umsonst führt hier auch die letzte Etappe der GTA vorbei.*

Der Schlüssel zu diesem Paradies ist der alte Col de Tende.
Die hevorragend ausgebaute N204 führt immer zu Berg an der Roya entlang, um im Tunnel de Tende zu verschwinden.
Nach Italien führt dieser Tunnel, ins Piemonte, nach Cuneo.
Es steht natürlich außer Frage, dass mein treues Kuchen und ich nicht durch diese Röhre fahren, unser Ziel ist der legendäre
Col de Tende, der durch die Untertunnelung bedeutungslos geworden ist.
Links der Tunneleinfahrt geht der Weg über einen Parkplatz zum Paß, ist noch ca. 1 Kilometer geteert, um dann in Schotter
über zu gehen. Was dann folgt, ist ein Highlight in meinem Leben als Motorradfahrer.
Wie genau ausgezirkelt, führt ein enges Band, bestehend aus Gerade, 180 Grad-Spitzkehre, - Gerade, 180 Grad-Spitzkehre,
sich immer und immer wiederholend hinauf. Diese Spitzkehren gehören zur engsten Sorte, sind völlig ausgewaschen und machen
höllisch Spaß. Ach, Kati-Michl, wenn Du wüsstest.....
Am verfallenen "La Ca", der alten Raststation vorbei, halte ich an um zu photographieren. Stille herrscht, Wolken ziehen
lautlos über uns hinweg und unten im Tal sieht man die Autos auf dem Teerband unter sich im Tunnel verschwinden.
Weiter geht die Reise, der Weg wechselt den strengen Rythmus, um immer größer werdende Schleifen zu beschreiben.
Er entfernt sich um doch wieder in Richtung Nord zu verlaufen. Nur ein Fahrzeug begegnet uns - es ist ein Jeep der
Parkverwaltung - denn wir sind im Parc du National du Mercantour.
Die Paßhöhe entspricht nicht der Schönheit dieser grandiosen Straße. Müll liegt rum - und die Höhentafel ist mit Graffitys
verschmiert. Das wird wohl seinen Grund darin haben, dass die Passstraße hinunter ins Italienische weitgehend geteert ist:
So finden Schmierfinke einen leichten Weg hinauf.
Direkt auf dieser Höhe steht nun also mein tapferes Kuhchen und ich begebe mich zu Fuß diesen kleinen Stichweg hinauf, der zu
einem Militärfort führt, dem Fort Central. Der Weg zur Ligurischen.....

Wird das wieder ein Tag an dem einem nichts gegönnt ist?
Sind wir hunderte Kilometer gefahren um an diesen Ort zu gelangen, um an immer mehr sich verdichtende Nebelschwaden
zu scheitern? Eben noch sah ich das Fort vor mir, nun leuchtet der Scheinwerfer in Watte. Mehrmals bleibe ich stehen, die
Füße am Boden und wackele mit dem Lenker hin und her, in der Hoffnung, etwas von der Piste zu sehen.
"Das gibt es doch gar nicht! Verdammte Scheiße!"
Ich schreie meine Wut und Enttäuschung in die weiße Wand. Ich wende, muss aber absteigen um den Pfad zu suchen.
Mit Ach und Krach finden wir zur Paßhöhe zurück. Das Teerband hinunter nach Italien nimmt uns auf, mit Schrecken nehme
ich das Schild "13 Tornanti" zu Kenntnis. Sonst freudig engegengenommen, habe ich nun Angst im Nebel zu stochern.
Zu unseren Glück reißt der Nebel allmählich auf so tiefer wir kommen, ich sehe auf einmal sogar die Baumaschinen, die
von einer Schar Arbeitern bedient, dabei sind, Maste für Sessellifte aufzurichten.
"Auch hier! Überall Skizirkus." Eben noch in totaler Einsamkeit, hat mich das wahre Leben wieder.
Die letzten Kurven ins Tal nehmen wir bei klarer Sicht. Dann biegen wir auf die S20 ein, die der Tendetunnel gerade
ausgespuckt hat, Ziel ist das ca. 50 km entfernte Cuneo.
Sie ziehen sich, die fünfzig Kilometer, die Aussicht auf die vor uns liegende Stadt entschädigt aber doch.....

+++++Kleine Randnotiz+++++Kleine Randnotiz+++++Kleine Randnotiz+++++Kleine Randnotiz++++++

Cuneo
Diese Stadt liegt in der Landschaft wie ein dahingeworfener Keil, so klar sind ihre Ränder umrissen.
55 400 Menschen leben hier, im Süden des Piemont, zu Füßen der Seealpen.
Dieser Ort war wegen seiner geographischen Lage Jahrhunderte lang umkämpft. Franzosen, Savoyer, Österreicher,-
dann wieder die Franzosen, diesmal von Spaniern unterstützt, - wieder Österreicher mit russischer Hilfe:
Alle haben es versucht.
Nun ist Cuneo in Italien angekommen......
"Man liest es in ihren Gesichtern, hört es an ihrem Dialekt: Cuneo ist eine Stadt mit Dorfcharakter, eine Stadt,
die keine Veränderungen liebt." **

Ende der kleinen Randnotiz

Nicht lange schenken wir dieser schönen Stadt unsere Aufmerksamkeit und wenden uns der der Suche nach der Straße zu,
die uns nach Busca führen soll. Dazu war eine Ehrenrunde in einem Kreisel nötig und ein Tankstopp an der gefundenen
S 589.
Hier lege ich meine Taktik fest, immer noch nicht wissend wohin die heutige Etappe führt.
Das nächste Ziel ist das Valle Varaita um die Berge wieder zu gewinnen, denn diese Ebene ist nichts für uns.
Zum Colle dell' Agnello am Monte Viso, dem Berg des Piemonte und dem Weg ins Queyras, Frankreich.

Davon beim nächsten Mal.....

Michael wink.gif

*"Westalpen, August 2007." Hier, in diesem Theater....
**Merian. "Piemont/Turin"

Der Beitrag wurde von Michael 55 bearbeitet: 05.09.2010 - 20:46
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ryna
Beitrag 30.01.2010 - 23:13
Beitrag #38


Carl F.
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endlich geht es weiter. ein wärmender lichtblick in dieser kalten und düsteren jahreszeit. rolleyes.gif
col agnel, schwärm...



... noch nicht lange und doch viel zu lange her. unsure.gif


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Michael 55
Beitrag 31.01.2010 - 23:31
Beitrag #39





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Öde und langweilig grade ist die S589 nach Busca.
Nur die sich links von uns erstreckenden Berge verheißen Gutes.
So schwimmen wir in Strom der Autokarawane diesem schmucklosen, nichtssagen Ort entgegen.
Die Beschilderung ist, gelinde gesagt, dürftig - und eher verwirrend als hilfreich.
Kein Wunder, dass wir uns verfransen. Costigliole.
Schließlich gelingt uns doch der Einstieg in das Valle Varaita.
Die Täler waren ausgeschildert, nicht die Orte. Also war die Suche nach dem Namen "Sampeyere" nicht der Schlüssel zum
Erfolg. Schwamm drüber....
Schon nach wenigen Kilometern ist die Ebene mit ihren schnurgraden Straßen, die durch endlose Felder führen, vergessen.
Kaum ist Melle passiert, wird die Strecke immer schöner. Das Gefühl, den Trubel hinter sich gelassen zu haben wirkt
beschwingend. Spätestens nach Casteldelfino hat uns die Einsamkeit wieder.
Am verweisten Stausee vorbei, halte ich auf einen Espresso in Pontechianale an. Ein Euro günstig und extrem lecker ist das Getränk,
dass ich allein auf der Terasse eines Caffes sitzend genieße. Welch' eine Ruhe. Ein einziges Auto kommt wärend meines
Aufenthaltes vorbei - ich kenne es auch anders....
Weiter geht unsere Reise. Bald tauchen die ersten großzügig angelegten Serpentinen auf. Die Straße schwingt sich auf,
scheint eine völlig andere Richtung einzuschlagen, um doch wieder durch eine weitere Serpentine zur Höhe des Passes
gezwungen zu werden. Durch die von der Geologie auferlegten Streckenführung glaubt man im Kreis zu fahren,
nur dass man sich an einen viel höheren Ort befindet. Auf 2744 m schwingt sich der Colle dell Agnello auf.
Während der ganzen Auffahrt spähe ich nach rechts, wenn es mir die Kurven denn erlauben, um den Berg des Piemonte
zu sehen, den Monte Viso. Aber schon seid meiner Abfahrt aus Pontechianale treiben sanft Nebelfelder in Senken
und Niederungen. Mal erhasche ich den schwarzen Fels, um Sekunden später in weiße Wolken des Nebels zu starren.
Ich reiße mich zusammen, sonst liege ich bald flach: Zu fordernd ist diese herrliche Passfahrt.
Oben angekommen, ändert sich Alles: Vor uns liegt das Queyras. Wenn ich es denn sehen könnte.
Ich halte an, stelle mein Roß auf seinen Hauptständer und setze den Helm ab. Totale Stille. Der Nebel wabbert über den
Bergkamm der die Paßhöhe makiert - und Italien von Frankreich trennt. Mit der Kamera in der Hand setze ich mich auf einen
Stein und starre in die Richtung in der ich das Hochtal vermute. Wie viele Minuten ich so vor mich hin stierend da saß,
weiß ich nicht. Wie zur Belohnung meiner Geduld hatte ich nun das Vergnügen, ein sehr schönes Naturschauspiel genießen zu
können. Einige von einander entfernte Stellen der weißen Wand aus Wasserdunst wurden auf einmal wie von Geisterhand heller.
Goldene Flecken hell strahlenden Lichts rissen den Vorhang auf und beschienen das goldene Gras der Ebene.
Nach und nach, wie bei einem Puzzle, klarte sich die Sicht. Erst wie bei einem Vorhang, in dem man Löcher schneidet, um ihn
Minuten später aufzuziehen. Ich war wie betäubt von diesem Anblick.
Ich maße mir an den Ausruf "Venedig sehen und sterben" mal in meinem Sinne neu zu definieren:
"Von Italien aus den Col Agnel fahren, das Queyras sehen - und sterben!"

++++Kleine Randnotiz++++Kleine Randnotiz+++++Kleine Randnotiz+++++Kleine Randnotiz++++++

Le Queyras

Das nahe der italienischen Grenze gelegene Queyras ist eine in kultureller und historischer Hinsicht eigenständige Region,
was auch durch seine Abgeschiedenheit bedingt ist - ganzjährig ist es nur über das Combe du Queyras, im Sommer auch
über den Col d' Izoard und den Col Agnel zu erreichen. Mit einer durchschnittlichen Höhe von 2200m gehören die Bergdörfer
des Queyras zu den höchsten Europas. (....)
Außergewöhnlich ist auch das Klima: Fast das ganze Jahr über ist der Himmel strahlend blau. Regen ist im Sommer eine
Seltenheit, doch wegen der Hochgebirgslage wird es nie wirklich heiß. Sechs Monate im Jahr herrschen ausgezeichnete
Schneeverhältnisse. *

Ende der kleinen Randnotiz

Die Straße ist leer. Nein, da fährt doch tatsächlich ein Motorrad!
Ich gehe zu meinem Kuhchen, schupse es vom Ständer und sage ihm:" Den fangen wir uns."
Die Abfahrt versetzt uns schnell in einen Kurvenrausch, in den wir sicher auch verfallen wären, hätte ich mir
nicht ein so dämliches Ziel gesteckt. Mit dem Abstand von nun fast acht Jahren fällt mir diese Bemerkung zu meinem
Handeln leicht.
Kurz nach Molines, das schon von Weitem zu sehen ist, haben wir dann den Fahrer einer GTR 1000 eingeholt.
Wozu eigentlich? Er winkt uns freundlich zu, als wir überholen. Der Mann fährt sichtlich entspannt seinen Stiefel runter.
Nun gut, abhaken! Links, Cateau-Queyras. Die Straße verengt sich hier abenteuerlich, bewacht von einer Festung.
Rechts, die Straße zum Col d' Izoard, der Kreis schließt sich.
Nach zehn Kilometern beginnt das Spiel der Kurven, es geht hinauf zum Casse Deserte. Kurz ist die Zeit Luft zu holen,
denn kaum hat man die Steinwüste hinter sich, beginnt das Kurvenkurbeln zur Paßhöhe, Ihr kennt diese, verehrte
Leser, es ist die mit dem Obelisken. Dieses mal ist niemand dort.
Sofort beginnt die Abfahrt. Das Refuge Napoleon, Kurve um Kurve auf dem Weg ins Tal der Cerveyrette, nach Briancon.
Als uns die Betriebsamkeit des Feierabendverkehrs in Briancon aufnimmt, komme ich mir vor, als erwachte ich aus einem
Traum.
"So viele Menschen gibt es? Auf einem Haufen? Stimmt, ich erinnere mich. Wenn ich an Frankfurt oder Mainz denke.
Mir ist schlecht! Und das viele Licht. Schließlich ist es noch nicht dunkel."
Ich höre auf mich zu bejammern, schließlich will ich ja was von den Leuten, Sprit zum Bleistift. Da ist eine Tankstelle!
Selten habe ich eine so nette Kassiererin in einer Tanke angetroffen. Zudem ausgesprochen hübsch.
Noch etwas versonnen verlasse ich das Etablissement, - um im Regen zu stehen.
"Och, nö! Muss das sein?"
Ich stülpe dem Tankrucksack das Präservativ über, starte Rosinante und fädele mich in die Blechlawine ein.
Ziel war eigentlich der Camping Municipal. Das schlage ich mir aber im Anbetracht der stärker werdenden Flut von oben
rasch aus dem Kopf. Raus aus Briancon, auf der Strecke zum Col du Lautaret wird sich was finden lassen.
Bald halte ich an, die Dämmerung ist nicht mehr zu leugnen, um mir an der Tafel eines Hotels die Nase platt zu drücken.
Es nimmt mir dem Atem, also fahren wir weiter.
Ein Kaff weiter stelle ich das Kuhchen auf einem glitschigen Straßenhügel aus Blaubasalt ab, um zu einem Hotel zu laufen.
Stockdunkel ist das Haus und anders als im Jura, öffnet auf mein Klopfen hin niemand.
So gehe ziemlich deprimiert zu meinem treuen Gefährt zurück. Schnell wird mir klar, sollte ich die beladene Kuh auf diesem
glitschigen Untergrund vom Hauptständer holen, werde ich sie nicht halten können. Kein Mensch ist zu sehen, nur Fahrzeuge,
Gischt hinter sich herziehend, fahren an mir vorbei.
Gerade als ich mich entschließe, Rosinante doch vom Ständer zu holen, kommen zwei Scheinwerfer auf mich zu,
zwei Motorräder halten an: Es sind die Beiden vom Campingplatz in Menton.
Wir sind gerettet!

Michael wink.gif

* Michelin Reiseführer "Französische Alpen"

P.S.: Danke für das Bild vom Agnel, "ryna".

Der Beitrag wurde von Michael 55 bearbeitet: 05.09.2010 - 20:44
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Michael 55
Beitrag 02.02.2010 - 10:48
Beitrag #40





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Sehr aufmerksam lest Ihr ja nicht..... rolleyes.gif
Was ist denn nun mit Richard's Fuß?


Michael wink.gif
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isierien
Beitrag 02.02.2010 - 11:01
Beitrag #41


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ZITAT(Michael 55 @ 02.02.2010 - 10:48) *
Sehr aufmerksam lest Ihr ja nicht..... rolleyes.gif
Was ist denn nun mit Richard's Fuß?
Michael wink.gif


....wenn du es nicht weißt wer dann laugh.gif laugh.gif .

ließt sich wie immer schön und macht lust auf mopet fahren wink.gif .

ciao
silvio

p.s. edit sacht bei der vielzahl der schönen bilder die du da gemacht haben musst, könntest du uns auch mal das eine oder andere gönnen wink.gif .

Der Beitrag wurde von isierien bearbeitet: 02.02.2010 - 11:09


--------------------


danke casey # 27 wir sind weltmeister gewesen
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Michael 55
Beitrag 02.02.2010 - 11:17
Beitrag #42





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Kleine Aufmerksamkeitstests von Seiten des Autors müssen einfach sein! rolleyes.gif
Das Echo ist schwach genug diesmal. So erfreuen mich Aufmunterungen doppelt.
Danke Ihr treuen Seelen! smile.gif
Bin ja auch fast am Ende der Saga, das war es dann für dieses Jahr. Jetzt muß Hans uns erst mal die "Altherrensaga" zu Ende
bringen, oder fahren die immer noch durch den Regen?
Ich werde die Negative von den Photos meiner Reise noch digitalisieren, die Pupa hat ein Programm, dann bin ich in der Lage auch
ein paar Bilder einzustellen. Das wird aber noch dauern......
Über die Ligurische Grenzkammstraße habe ich in Michls "Weg von der Straße" was eingestellt, ist wirklich sehenswert!
(Läster:) Obwohl Ducatisti und Piste, na, ich weiß nicht... tongue.gif

Gruß, Michael wink.gif

Der Beitrag wurde von Michael 55 bearbeitet: 02.02.2010 - 11:18
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isierien
Beitrag 02.02.2010 - 11:29
Beitrag #43


~ Orga 2. ddbFt 2009 ~
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hi michael,

ja lesen tun bestimmt viele, so auch mein dad wink.gif , nur eben kommentieren tun wenige. das video für michel muss ich dann gleich mal schauen.

was machen denn die verhandlungen, du weißt schon biggrin.gif biggrin.gif.

ciao
silvio


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danke casey # 27 wir sind weltmeister gewesen
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Michael 55
Beitrag 02.02.2010 - 11:36
Beitrag #44





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ZITAT(isierien @ 02.02.2010 - 11:29) *
hi michael,

ja lesen tun bestimmt viele, so auch mein dad wink.gif , nur eben kommentieren tun wenige. das video für michel muss ich dann gleich mal schauen.

was machen denn die verhandlungen, du weißt schon biggrin.gif biggrin.gif .

ciao
silvio


"NULL", das interessiert keine Sau! mad.gif
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Desmo2V
Beitrag 02.02.2010 - 11:36
Beitrag #45


Carl F.
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Wirklich schön geschrieben;-

Da freu ich mich schon wieder auf die Alpen im Septembre.

LG & lass uns wissen wie es weitergeht

Tim

PS: Auch nich fände ein paar Photos schön
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